Barnert trifft im zweiten Versuch

„Geschafft!“ – Patin Sonja Barnert jubelt, dass es im zweiten Anlauf mit der Fähr-Taufe geklappt hat.

Barnert trifft im zweiten Versuch

Vor 3000 Zuschauern und zahlreichen Ehrengästen wurde die neue „Uthlande“ im Binnenhafen getauft
Wyk


Es war das am meisten gehütete Geheimnis der Insel. Selbst die oft zitierten Insiderkreise ließen bis zur Zeremonie nichts raus. Wer wird die Taufpatin der neuen WDR-Fähre? Das Rätselraten hatte erst ein Ende, als WDR-Geschäftsführer Axel Meynköhn zusammen mit Kapitän Christ Tholund und Sonja Barnert die Empore zur Zeremonie betrat. „Hier zu stehen, ist für mich eine große Ehre, aber ich bin umheimlich aufgeregt“, machte die Gattin des langjährigen WDR-Aufsichtsratsvorsitzenden Jens Uwe Barnert aus ihrem Herzen keine Mördergrube – und schritt zur Tat.

Laut und deutlich für die rund 3000 „Sehleute“ schallte der Taufspruch durch den Wyker Hafen und endete standesgemäß mit „...und wünsche Dir und Deiner Besatzung allzeit gute Fahrt.“ Danach griff sich die Taufpatin die an einem (zu kurzem?) Seil befestigte Champagner-Flasche und schmetterte sie gegen die Bordwand. Doch zum Schreck aller Augenzeugen blieb die Flasche heil. Ein ungläubiges Raunen ging durch den Binnenhafen.

Doch Sonja Barnert blieb „cool“, schnappte sich den Schampus erneut, zerschmetterte die Flasche diesmal und riss unter dem Gejohle der Zuschauer und dreier lauter Signaltöne von der „Uthlande“ jubelnd die Arme hoch. Geschafft. „Ich dachte spontan, das war nicht meine Schuld“, blickte Barnert später bei einem Glas Sekt auf dem Salondeck sichtlich entspannter zurück, bekannte aber, dass sie zumindest die Nacht davor nicht gut geschlafen habe. Sie sei froh, dass „das eine einmalige Sache“ für sie bleiben werde. Sollte die Tauf-Panne, wie mancher vor Ort unkte, Unglück verheißen, so dürfte die Tatsache, dass der erste Hafen, den die „Uthlande“ angelaufen hatte, Glückstadt war, dies locker wettmachen.

Während derweil im Publikum die Farbe „Bunt“ vorherrschte, prägten direkt an der Empore die dunklen Anzüge die Szenerie. Angeführt von Ministerpräsident Peter Harry Carstensen hatte sich reichlich Insel- und Hallig-Prominenz aus Wirtschaft und Politik eingefunden, um den 125-jährigen Reederei-Geburtstag und der Taufe ihres eigenen Geschenks beizuwohnen.

Vor der Taufe hatte zunächst Rüdiger Fuchs das Wort ergriffen. Warum der Geschäftsführer der Hamburger Sietas-Werft nur vom „Neubau 1228“ sprach, klärte er selbst auf: „Es ist das alleinige Privileg der Taufpatin, den Namen des Schiffes erstmals auszusprechen.“ Zudem ließ er die Umstehenden erfahren, dass der WDR-Auftrag im April 2009 für seine Werft, aber auch für den deutschen Schiffbau, große Bedeutung hatte: „Es war der erste Auftrag nach Ausbruch der Krise.“

Danach war es am WDR-Geschäftsführer, Petrus zu danken – der Regen setzte erst ein, als die dunklen Anzüge längst im Schiffsinneren zur Besichtigung und ans Büfett verschwunden waren und sich Insulaner und Gäste Freibier auf der Kaje schmecken ließen.

Quelle: Der Inselbote/12.06.2010
Djs