Die neue "Watten-Queen"

Auf dem Sonnendeck der zukünftigen "Uthlande"

Noch firmiert sie unter dem Arbeitstitel "NB 28", wird zur Zeit in einem Dock der Hamburger Sietas- Werft am Neuenfelder Elbufer zusammen geschweißt, ist das neueste nautische Sahnestück der Wyker Dampfschiffs-Reederei (WDR) und bekommt hin und wieder Besuch aus der zukünftigen Heimat. So machten sich WDR-Mitarbeiter und pensionierte Seebären des Reederei-Stammtisches auf eine gemeinsame Busreise gen Hamburg, um das momentan noch auf dem Trockenen liegende neue Flaggschiff genauer unter die seemännische Lupe zu nehmen.

Auf den computeranimierten Fotos sähe die fertige Doppel-Endfähre noch etwas gewöhnungsbedürftig aus, so der nahezu einhellige Kommentar vor Erreichen der 1635 gegründet Sietas-Werft. Gelände, Kräne und Gebäude des ältesten deutschen Schiffbaubetriebes sorgten schon für staunende Besucheraugen. Da lag sie, die künftige "Queen des Wattenmeeres", die demnächst als neue "MS Uthlande" zwischen Dagebüll, Wyk und Wittdün unterwegs sein wird. Trotz der 75 Längenmeter und guten 16 Metern Breite wirkte sie neben den "dicken Pötten" in den Nachbardocks ein klein wenig verloren. Die mit unzähligen Gerüsten ausgestatteten Außenwände sahen aus, als hätte Verpackungskünstler Christo künstlerisch zugeschlagen. Aber: "Der Sonnenschein kommt erst in den letzten ein, zwei Wochen, vorher sieht es immer so ungewohnt aus", so Kapitäns-Grandseigneur August Jakobs. Der Amrumer muss es wissen, hat er doch in seiner aktiven Zeit gleich drei Dampfer als Baukapitän begleitet.

Diesen Job hat bei der neuen WDR-Fähre Projektleiter Christ Tholund inne, der auf der künftigen "Uthlande" als Kapitän zusammen mit seiner elfköpfigen Crew für einen reibungslosen Schiffsverkehr sorgen wird. Gemeinsam mit Schiffbauarchitekt Malte Grützmacher und WDR-Geschäftsführer Axel Meynköhn galt es für ihn, die interessierten Fragen der Gäste zu beantworten. Die erstmals in der WDR-Flotte an Stelle gewöhnlicher Schiffsschrauben genutzten vier Voith-Schneider-Propeller sorgten für Informationsbedarf. Dieses Antriebssystem, so Meynköhn, sei das technische Highlight des Neubaus. "Dadurch entfällt das zeit-und treibstoffaufwändige Navigieren und Drehen in den Häfen", so der Reederei-Chef. "Nun hat die Reederei endlich ihre erste 'richtige' Fähre, wenn sie drehen muss, dreht sie 360 Grad quasi auf dem Teller, die Einsparungen werden sich lohnen" befand auch Alt-Kapitän Jakobs (89). Und kraxelte gemeinsam mit den Reisekollegen über schwankende Gangways aufs zukünftig fünfspurige Autodeck.

Die nächste Überraschung wartete im ersten Stock: Großformatige Panoramafenster werden für ungetrübten Ausblick aus den beiden Salons sorgen, optisch ungewohnt, aber durchaus reizvoll sowohl am Heck als auch Bug montiert. "Das Schiff wirkt momentan irgendwie riesig", so die Meinung eines Besuchers, bevor er beim Weg auf das Sonnendeck sanfte Kopfbekanntschaft mit rund 70 Kilometern Kabelsalat schloss. Der (noch) beschwerliche Weg vom untersten Maschinendeck durch das Innere des Neubaus bis hinauf auf die zukünftige Sonnenterrasse habe sich auch dank der vielfältigen Informationen zweifelsohne gelohnt, so die Meinung aller Mitreisenden. Und so genoss man die großartige Aussicht und drückte der künftigen "Watten-Queen" schon mal die Daumen für eine erfolgreiche Probefahrt.
Die wird laut Kapitän Christ Tholund wohl fristgerecht Mitte Mai stattfinden.

Der Inselbote/17.4.2010/Ute Wiggert