Erste Schwimmversuche auf der Werft

Foto: Jochen Werner

Erste Schwimmversuche auf der Werft

Die neue „Uthlande“ wurde ausgedockt – 35 Zentimer weniger Tiefgang als die bisherigen WDR-Fähren


Bis vor wenigen Tagen hat er sich noch unter Planen versteckt, so auch kürzlich beim Besuch von Mitarbeitern und Pensionären der Wyker Dampfschiffs-Reederei auf der Hamburger Sietas-Werft (wir berichteten). Jetzt präsentiert sich der Neubau des künftigen WDR-Flaggschiffes unverhüllt. Befreit von Planen und Gerüsten zeigt sich das Schiff in den Farben der Reederei und der Name „Uthlande“ prangt unübersehbar auf Vorder- und Rückfront.

Für die Werftmitarbeiter und WDR-Chef Axel Meynköhn war es ein spannender Moment, als das Schiff zum ersten Male mit seinem zukünftigen Element Wasser in Berührung kommen sollte. Für den WDR-Chef nicht zuletzt auch deshalb, weil er zunehmend Zweifel daran bekommen hatte, ob das Schiff tatsächlich den versprochenen geringen Tiefgang erreichen würde, der laut Meynköhn 35 Zentimer unter dem seiner „Artgenossen“ liegt. Nachdem das Dock, in dem das Schiff seit dem Baubeginn am 28. September 2009 auf dem Trockenen lag, behutsam über mehrere Stunden geflutet worden war, erwiesen sich diese Befürchtungen schnell als unbegründet. „Jetzt haben wir gesehen, dass es klappt“, freut sich Meynköhn.

Ganz unspektakulär bekam der Neubau einen nassen Bauch. „Da war mir schon feierlich zu Mute“, bekennt Meynköhn. „Man wundert sich immer wieder, dass Eisen schwimmt“, kommentierte ein am Bau beteiligter Schiffbauer kurz und trocken das erfolgreiche Ausdocken. Einen klassischen Stapellauf gibt es bei der hier durchgeführten Bauweise nicht mehr. Die einzelnen Bauteile werden an Land vorgefertigt und mit Kranen in das Dock gehoben, um dort zusammengesetzt zu werden.

Es dauerte dann noch einige Stunden, bis das Schiff zum ersten Mal – und noch nicht aus eigener Kraft – Fahrt aufnehmen konnte. Gegen 22 Uhr zogen zwei Schlepper im Scheinwerferlicht den Neubau aus dem Baudock und brachten ihn an den Ausrüstungskai der Werft. In den nächsten Wochen haben die Handwerker noch alle Hände voll zu tun. Der Innenausbau steht ebenso an, wie unzählige Installationsarbeiten.

Dann geht es voraussichtlich Ende Mai das erste Mal auf richtige Fahrt. Elbabwärts wird das Schiff dann sein endgültiges Einsatzgebiet im nordfriesischen Wattenmeer erreichen und dort die bisherige „Uthlande“ ablösen.

Jochen Werner/pk

"Der Inselbote" vom 04.05.2010