Föhrer Windstrom nicht nur auf Föhr: Liefervertrag mit Hafenbetrieben und WDR

Föhr/Amrum

Als David betrat die Oevenumer Firma „Föhrer Windkraft“ vor wenigen Jahren den insularen Strommarkt, in der Absicht, den Goliaths auf dem Energiesektor zu trotzen. Nun gelang Jan Brodersen ein weiterer wichtiger Schritt: Er konnte die Strom-Ausschreibung einer gewichtigen Einkaufsgemeinschaft, bestehend aus der Wyker Dampfschiffs-Reederei (W.D.R.), dem Wyker Hafenbetrieb, den Amrumer Versorgungsbetrieben und der Hafenbetriebsgesellschaft Dagebüll, für sich entscheiden. Diese vier traten zwar gemeinsam bei der Ausschreibung an, sind jedoch in der weiteren Abwicklung unabhängig von einander.

Damit wird die „Föhrer Windkraft“ die zur Zeit 263 Haushalte und 43 Gewerbebetriebe versorgt, am 1. Januar 2014 ihre augenblickliche Energielieferung von 2,5 Million Kilowattstunden im Jahr auf 4,5 Millionen Kilowattstunden fast verdoppeln können. So kann sie ihren Marktanteil auf Föhr auf zehn Prozent ausbauen. Zum Abschluss der Lieferverträge trafen sich Axel Meynköhn (W.D.R.), Ulrich Koch (Hafenbetrieb) sowie Norbert Gades (Versorgungsbetriebe und Hafenbetriebsgesellschaft), der die Ausschreibung federführend koordiniert hatte, mit Jan Brodersen symbolträchtig vor den Windmühlen am Oevenumer Deich.

Dass sich seine Firma gegen zahlreiche andere Anbieter durchsetzen konnte, ist für Jan Brodersen der Beweis dafür, dass der Föhrer Strom wettbewerbsfähig ist. „Öko-Strom muss nicht teurer sein“, so der Oevenumer Windmüller, der die Elektrizitätswerke Schönau (EWS) im Schwarzwald als Dienstleister für die Abwicklung an seiner Seite hat. Die EWS, deren Gründerin Ursula Sladek den Deutschen Umweltpreis 2013 erhielt, stellen mit Wasserkraft sicher, dass die insularen Abnehmer auch dann mit Strom versorgt werden, wenn die Mühlen am Deich mangels Windes einmal stillstehen sollten.

„Wir bekommen in Zukunft unseren Strom regional und günstig“, freut sich Axel Meynköhn, der besonders davon beeindruckt ist, dass der zukünftige Stromlieferant die W.D.R. auch auf dem Gebiet des Energie-Controllings begleiten wird, um so das Optimum bei der Nutzung zu finden. Damit liege die Oevenumer Firma „Föhrer Windenergie“ genau auf der Linie der Wyker Reederei, die sich verstärkt um das Umweltmanagement bemühe. Stolz verweist der W.D.R.-Chef darauf, dass die beiden neuen Fähren „Uthlande“ und „Schleswig-Holstein“ mit dem „Blauen Umweltengel“ ausgezeichnet wurden. Ein weiterer wichtiger Schritt ist nach Meynköhns Mitteilung, dass die W.D.R. durch die Dekra nach einer internationalen Umweltnorm zertifiziert worden ist. Dieses „Handbuch des Umweltmanagementes“ sieht zunächst die Optimierung des Energieverbrauches an Bord der Fährschiffe vor. Dazu gehört, dass demnächst die Fähren nicht mehr ihren Strom an Bord mit dem Generator selbst produzieren, sondern über Nacht von Land aus mit Energie versorgt werden. Bei den zwei Neubauten ist dies technisch bereits möglich, die älteren Schiffe können „mit vertretbarem Aufwand“, so Meynköhn, umgerüstet werden.

Auch mit den Amrumer Versorgungsbetrieben hat der Föhrer Stromlieferant einen gewichtigen Abnehmer gefunden. Norbert Gades verweist darauf, dass in Zukunft unter anderem die Amrumer Kläranlagen und das Wasserwerk mit Öko-Strom betrieben werden. Die Versorgung der Nachbarinsel bedeutet für den Föhrer „Strom-David“ zugleich auch den Schritt in eine „neue Welt“, lautete doch bisher seine Devise „Strom von Föhr für Föhr“.

„Diese Beziehung zu den Versorgungsbetrieben bedeutet, dass wir vom 1. Januar 2014 an auch andere Amrumer Abnehmer mit unserem Strom versorgen können“, so Brodersen.

"Der Inselbote"/7.11.13/len