Im Einsatz unter neuer Flagge

Künftig wird die "Insel Amrum" zwischen Pellworm und Nordstrand verkehren. Foto: oe

Gestern verließ die „Insel Amrum“ den alten Heimathafen

Wyk/Pellworm


Für die Wyker Dampfschiffs-Reederei (W.D.R.) ist eine Ära zu Ende. Annähernd 42 Jahre fuhr die „Insel Amrum“ unter W.D.R.-Flagge, die gestern eingeholt und durch die der Neuen Pellwormer Dampfschifffahrts-Gesellschaft (NPDG) ersetzt wurde. Feierlich von ihren Schwesterschiffen verabschiedet, verließ die Fähre den Wyker Hafen; sie ist für den „Restbuchwert“ verkauft worden und wird künftig im Fährverkehr zwischen der Insel Pellworm und Strucklahnungshörn auf Nordstrand im Einsatz sein.

1970 war die „Insel Amrum“ – wie seinerzeit alle Neubauten der Reederei – auf der Husumer Schiffswerft erbaut worden. Lediglich der Rumpf wurde aus Kapazitätsgründen auf einer Werft in Oberwinter am Rhein gefertigt und trat die lange Reise über Rotterdam nach Husum per Schubboot und Seeschlepper an. Stapellauf und Taufe erfolgten schließlich am 12. Juni 1970 und Taufpatin war seinerzeit mit Käthe Theis, der Sekretärin des damaligen W.D.R.-Geschäftsführers Friedrich Lützen und in späteren Jahren auch dessen Nachfolgers Conrad Zorn, eine verdiente Mitarbeiterin der Reederei.

Vier Wochen darauf, am 9. Juli 1970, konnte das Fährschiff in Empfang genommen werden. Es war dringend erwartet worden, denn die Zahl der Touristen auf den Inseln stieg seinerzeit sprunghaft an, und die Reederei konnte bereits am darauffolgenden Sonnabend einen Rekord verbuchen: Die gesamte W.D.R.-Flotte war im Einsatz, als bei 26 Abfahrten zwischen Dagebüll, Wyk und Wittdün 1074 Autos sowie 7812 Fahrgäste befördert wurden.

Zwei nennenswerte Auszeiten hat die „Insel Amrum“ auf ihrem Konto: 1977 wurde sie mit einem Sonnendeck über dem Autodeck ausgestattet und 1998 generalüberholt. Einen guten Namen machte sich die Fähre vor allem als zuverlässiges „Arbeitstier“, das häufig zum Einsatz kam, wenn es galt, Spezialtransporte zu bewältigen. Zudem war sie das letzte Schiff der W.D.R.-Flotte, das „loses“ Vieh zum Festland transportierte und fungierte als „Springer“, wenn die vier Regelschiffe den Andrang in Spitzenzeiten nicht bewältigen konnten.

Nun also der Verkauf – der Fähr-Veteran wird nicht mehr benötigt. Dessen Kapazitäten macht die Indienstnahme der beiden Doppelendfähren „Uthlande“ und „Schleswig-Holstein“ locker wett. Ein Abschied, der für die W.D.R. das zweite Großereignis binnen kürzester Zeit bedeutete. Denn nur eine gute Woche ist es her, dass die „Schleswig-Holstein“ im Rahmen einer feierlichen Zeremonie getauft wurde. Tags darauf lag die neue Fähre „Open Ship“ im Hafen und konnte besichtigt werden. Rund 7000 Neugierige nutzten das Angebot und sorgten für Gedränge vor allem auf der Brücke. Sehr zur Freude des W.D.R.-Chefs nahmen auch viele Einheimische die Gelegenheit wahr – eine Resonanz, „die uns ermuntert, im kommenden Jahr ein ähnliches Angebot zu machen“.

Ein wenig Wehmut dürfte die W.D.R.-Besatzung bei der gestrigen Abfahrt nach Pellworm verspürt haben, ein Trost aber bleibt: Die Fähre soll auch unter NPDG-Flagge den Namen „Insel Amrum“ tragen. „Nicht auszuschließen“, so Meynköhn, „dass wir sie für die eine oder andere Gelegenheit zurückchartern.“

"Der Inselbote"/psz