MS Störtebeker hat die Flagge gewechselt

„Störtebeker“ fährt jetzt in Westfriesland

Die „Störtebeker“ hat die Flagge gewechselt.
Nach einer Auffrischung wird das bisherige Ausflugsschiff der Wyker Dampfschiffs-Reederei (W.D.R.) von der niederländischen Nordseeinsel Terschelling aus zu neuen Touren starten.

Föhr/Terschelling
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– Fast alle Schiffe im Wyker Hafen ließen ihre Sirenen ertönen, als die „Störtebeker“, bereits unter niederländischer Flagge, um sechs Uhr morgens den Hafen in Richtung Terschelling verließ. Zu ihrem Abschied hatte sich auch W.D.R.-Chef Axel Meynköhn an der Alten Mole eingefunden und bereits am Tag zuvor stattete der Wyker Wolfgang Agatter einen letzten Besuch bei dem Schiff ab, auf dem er zwölf Jahre lang als Maschinist gefahren ist.

Agatter nutzte die Gelegenheit, mit dem neuen Eigner, Frank Rijf, über das Schiff und dessen Maschine zu diskutieren. Frank Rijf, Chef der Rijf Shipping BV, sowie dessen Vater Iemke Rijf hatten vier Tage für die Überfahrt eingeplant, die ein Familienausflug mit Stopp auf Borkum werden sollte.

Die „Störtebeker“, so Frank Rijf, wird ihren Namen behalten und auch der gelbe Seehund soll weiterhin das Schiff schmücken, das in Zukunft von Terschelling aus mit 75 bis 100 Passagieren zu Ausflugsfahrten zu den Seehundsbänken und den Nachbarinseln aufbrechen wird. Doch zuvor sollen, so Rijf, am Äußeren der „Störtebeker“ einige Malerarbeiten vorgenommen und der Salon des Schiffes etwas aufgefrischt werden.

Der Inhaber des kleinen Familienunternehmens „Rijf Shipping“, konnte sich diesen Kauf, „der nicht ganz billig war“, leisten, nachdem er eines seiner eigenen Schiffe hatte verkaufen können. Eigentlich habe man schon im vergangenen Jahr Interesse an der „Störtebeker“ gehabt, was sich dann zunächst zerschlug, berichtet Iemke Rijf, der Föhr bereits seit 20 Jahren kennt. Damals hatte er die Insel mit seiner Trachtengruppe besucht.

Nach niederländischen Bestimmungen befindet sich die „Störtebeker“ in Zukunft bei ihren Touren durch das Wattenmeer auf Binnenschifffahrt, womit die Sicherheitsauflagen überschaubarer sind als die, die die Flotte der W.D.R. in ähnlichen Gewässern erfüllen muss. Im nordfriesischen Wattenmeer sind die Auflagen viel gravierender. Dies war einer der Gründe, so Axel Meynköhn, das Schiff zu verkaufen. Außerdem werde im Berliner Bundesverkehrsministerium an einer neuen Sicherheitsvorschrift gearbeitet, die, so seine Befürchtung, spätestens ab 2018 Ausflugsfahrten fast unmöglich machen wird. „In diesem Ministerium stuft man die Gefahren im Ententeich Wattenmeer besonders dramatisch ein“, so Meynköhn, „weshalb die Fenster der Schiffe durch Bullaugen ersetzt werden müssen. Dann wird aber kein Mensch mehr eine Ausflugsfahrt machen wollen“.

Meynköhn kann angesichts der Ängste in Berlin nur den Kopf schütteln und verweist darauf, dass die „Störtebeker“, die 1969 in Husum für die W.D.R. gebaut wurde, nach seinem Wissen in den vergangenen 40 Jahren keinen einzigen Unfall hatte.

Die geplanten Vorschriften aus der Bundeshauptstadt werden auf jeden Fall eine massive Wettbewerbsverzerrung zur Folge haben, fürchtet der W.D.R.-Chef. „In Berlin denkt man außerdem“, so Meynköhn weiter, „dass die Ausflugsschifffahrt dem Besitz einer Goldader gleichkommt. Doch kein kleiner Privatreeder kann sich den Bau eines neuen Schiffes leisten“. Die Fahrgastzahlen sind nämlich nach Erkenntis des W.D.R.-Chefes rückläufig, ein weiterer Grund für die W.D.R., sich von der „Störtebeker“ zu trennen. Auch wenn dieses Schiff nun nicht mehr zur Verfügung steht, wird die Reederei mit der „Rüm Hart“ weiterhin die gewohnten Ausflüge als Service für die Urlauber anbieten.

"Der Inselbote"/11.08.2009