Vom Ursprung bis zur neuen Fähre

Das neue Firmengebäude steht an der gleichen Stelle wie das erste WDR-Haus, das Ende des 19. Jahrhunderts gebaut wurde. Foto: psz

125 Jahre wird die Wyker Dampfschiffs-Reederei (WDR) am 14. März "auf dem Buckel" haben. An diesem Tag des Jahres 1885 kamen in "Redlefsens Hotel" am Sandwall 33 weitsichtige Bürger um den Kapitän Steffen-Heinrich Boetius zusammen und gründeten die "Wyker Rhederei-Gesellschaft", die Vorläuferin der WDR.

Deren heutiger Geschäftsführer Axel Meynköhn würdigte den anstehenden Geburtstag mit einem interessanten Vortrag in den Räumen der Ferring-Stiftung. Unter dem Titel "125 Jahre WDR - Ein neues Fährschiffkonzept für Föhr und Amrum" schlug der Reederei-Chef den Bogen von den Ursprüngen des heutigen Fährverkehrs zur neu bestellten Doppelendfähre, die ihren Dienst wie berichtet noch in diesem Jahr aufnehmen soll.

Der Gründung vorausgegangen, berichtete Meynköhn, sei ein lebhafter Wettbewerb um die Inselversorgung. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts fuhren Dampfschiffe, und in der Zeit des aufblühenden Bädertourismus strömten immer mehr Urlaubsgäste nach Föhr. Mit der Wyker Fährgenossenschaft, der Direktion des Dampfschiffes Wyck-Föhr und der von Föhr-Land betriebenen Föhrer Dampfschifffahrts-Gesellschaft, landläufig als "Bauern-Reederei" bezeichnet, lieferten sich drei Unternehmen einen erbitterten Konkurrenzkampf um jeden Fahrgast und ohne jedes System, der optimale Versorgungsverhältnisse verhinderte. "Aus diesem Wettbewerb und dem damit einhergehenden Preisverfall ging die WDR als Sieger hervor und war ab 1902 allein im Geschäft", so Meynköhn.

Die Entwicklung des Unternehmens, so erfuhren die Zuhörer, wurde maßgeblich von der Stadt Wyk geprägt, die seit 1918 Gesellschafterin der Reederei ist. Zeitweilig hielt die Stadt 75 Prozent der Anteile, heute seien es noch 32 Prozent. Ein starkes kommunales Element, das die Reederei durchaus positiv sehe.

Weniger positiv sah das Unternehmen den Versuch eines auswärtigen Konsortiums, die WDR zu übernehmen. Kaufleute witterten 1919 ein gutes Geschäft und es kam zu einem Angebot von 300 000 Mark, das später gar auf 850 000 Mark erhöht wurde. Der Verkauf kam nicht zustande, da die Gesellschafter die Inselversorgung auf der Insel wissen wollten und ablehnten. Diese Haltung spiegele auch das heutige Unternehmenskonzept wider, wie der Reederei-Chef betonte.

Vor diesem Hintergrund erfolgte 1955 die Übernahme der Föhr-Amrumer Kraftverkehrs GmbH, in deren Folge der Bus-Linienverkehr von der WDR bis heute betrieben wird. Und auch die Beteiligung an der Inselparkplatz Dagebüll GmbH zu einem Drittel (2002) diente dem Ziel, das Personenbeförderungskonzept lückenlos abzudecken.

28 Schiffe habe die Reederei in ihrer Geschichte geordert, einige Oldies fahren heute in Jugoslawien, Indien oder Thailand. Das erste Reederei-Gebäude wurde Ende des 19. Jahrhunderts gebaut und stand in etwa auf dem Grundstück, auf dem sich die WDR-Gebäude auch heute noch befinden. Zumindest in dieser Hinsicht, so Meynköhn, habe sich "das Unternehmen nicht wesentlich bewegt".

Wenn dann am 11. Juni am Binnenhafen die Geburtstagsfeier stattfindet, soll, so hofft die Reederei, auch die neue Fähre ihre Taufe erhalten

Der Insel-Bote/05.03.2010

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